Seltenes kosmisches Ereignis im Mai 2016 zu erwarten
Bei wolkenfreiem Himmel auf der Sternwarte Welzheim zu beobachten
Ein außergewöhnliches astronomisches Ereignis erwartet uns im Mai dieses Jahres: Der sonnennächste Planet Merkur zieht als dunkler Punkt vor der Sonnenscheibe vorbei

Verlauf des Merkurtransits vom 9. Mai 2016. Die Zeiten (MESZ) gelten exakt für den in Deutschland zentralen Ort 50° Nord und 10° Ost. Für andere Orte in Deutschland weichen diese Zeiten nur um wenige Sekunden ab.
Merkur-Transit 7.Mai 2003, Merkur links oben, nicht zu verwechseln mit Sunspot im Zentrum
Sternwarte Welzheim/Gutzeit/Idler.
Mitte April zeigte sich der sonnennahe Merkur kurz in der Abenddämmerung am Westhimmel. Bereits am Montag, 9. Mai überholt der flinke Planet die Erde auf der Innenbahn. Dies ist allerdings normalerweise nichts Besonderes. Denn alle vier Monate überholt Merkur die Erde. Doch diesmal liegt die um sieben Grad geneigte Merkurbahn so, dass der Benjamin der Planeten als dunkler Punkt vor der Sonnenscheibe vorbeiwandert. Ein solches Ereignis nennt man Merkurtransit oder –durchgang.
Merkurtransite sind noch seltener als Sonnen- und Mondfinsternisse. Im 21. Jahrhundert tritt Merkur nur vierzehn Mal vor die Sonne. Nicht alle Merkurtransite sind von Mitteleuropa aus beobachtbar. Denn einige finden statt, wenn bei uns die Sonne bereits untergegangen ist. Der letzte von Deutschland aus sichtbare Merkurtransit erfolgte am 7. Mai 2003. Sollte man den Merkurdurchgang am 9. Mai wegen bewölktem Himmel verpassen, so bietet sich erst am 11. November 2019 und danach am 13. November 2032 eine Gelegenheit, Merkur als dunklen Punkt vor der Sonne zu beobachten.
Das kosmische Schattenspiel beginnt in Stuttgart und Umgebung um 13h 12m 14s Sommerzeit mit dem Eintritt von Merkur am Ostrand der Sonne. Die geringste Entfernung vom Mittelpunkt der Sonnenscheibe wird um 16h 56m 25s erreicht, wobei Merkur etwas mehr als fünf Bogenminuten Abstand vom Sonnenscheibenmittelpunkt hat. Der Merkurtransit endet mit dem Austritt von Merkur um 20h 40m 33s Uhr.
Die genauen Zeiten von Beginn und Ende des Merkurtransits sind ortsabhängig, weichen aber innerhalb Deutschlands nur um wenige Sekunden voneinander ab.
Das Merkurscheibchen ist winzig klein, es hat nur den 158. Teil des scheinbaren Sonnendurchmessers. Daher ist der Transit mit bloßen Augen nicht sichtbar.
Um Merkur als dunklen Punkt vor der Sonne zu sehen, benötigt man ein Fernrohr mit stabilem Stativ und mindestens fünfzigfacher Vergrößerung. Ohne geeignete Schutzmaßnahmen wie Objektivfilter oder Projektionseinrichtung darf man keinesfalls mit Fernglas oder Teleskop in die Sonne sehen! Am besten, man besucht eine Sternwarte, um dieses Himmelsspektakel zu verfolgen.
Die Sternwarte Welzheim bietet bei wolkenfreiem Himmel am Montag, -9. Mai 2016 von 13 bis 20 Uhr eine Sonderführung an, bei der man den Merkurtransit per Teleskop verfolgen kann.
Prof. Dr. Hans-Ulrich Keller
Planetarium Stuttgart / 15.04.2016